Domestic Sculptures

Artist Book - Dummy

Domestic Sculptures
17. vfg Nachwuchsförderpreis, 2013

Text: Hannah Frieser

Michael Etzensperger ist schnell mit der Schere zur Hand. Für seine Arbeit bedient er sich Rohmaterialien wie Bücher oder Fotografien, die er selbst aufnimmt oder aus diversen Quellen aufgreift. Kaum einer kann Collagen schaffen, die nicht auch den Dadaismus referenzieren. Zu richtungsweisend waren die Collageexperimente von Dadaisten wie Hannah Höch und Raoul Hausmann, die Fragmente von Bild- und Textauszügen zu markanten Neukompositionen zusammenfügten. Doch anders als die Dadaisten, die sich gegen die Konventionen von Kunst und Gesellschaft wehrten, benützt Etzensperger bereits etablierte Mittel als Ausgangspunkt um sich eine neue, abstrahierte Welt zu schaffen.
Für seine Fotoserie Domestic Sculptures kombiniert Etzensperger schwarz-weiße Bilder von Skulpturen und Tierknochen zu grotesken Kreaturen allegorischer Natur. Diese entarteten Geschöpfe platziert er in unbeachtete Zimmerecken und Winkel, die ihm bühnengleich als Schauplatz für sein Theater des Absurden dienen. Krasse Blitzlichtbeleuchtung, grelle Raumfarben und großmustrige Tapeten lassen die einzelnen Bilder unterschwellig dissonant und unbehaglich wirken. Diese Inszenierungen finden nur für die Kamera statt. Danach vernichtet der Künstler seine Collageobjekte. Die Zimmerecken fallen wieder in obskure Vergessenheit. Der Zauber der ins Leben erweckten Kreaturen endet.
In Etzenspergers Welt gibt es keine Realität außer der referenzierten. Nur so trans­mu­tie­ren vergängliche Menschen und Tiere zu Skulpturen, die fotografiert und letztendlich durch Künstlerhand reanimiert werden können. Die einzige Verbindung zur Gegenwart besteht durch tote Ecken im Raum, deren Präsenz im Alltag selten wahrgenommen werden. Doch auch das Publikum muss sich seine Rolle in diesem Schauspiel eingestehen, und das einsuggerierte Zukunftsbild mag manch einen bedrücken. Erkennen wir doch, dass wir mal die Referenzierten und mal die lebensspendende, kreative Quelle sind. Letztendlich aber wird jeder von uns Opfer der Vergessenheit. Nichts besteht für ewig, und vieles besteht nicht für lange.


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